Dienstag, 8. November 2011

Antwort zu „Erste SV, erster Aufreger“

„Demokratie bedeutet, sich selbst kritisch zu sehen.“, sagte einst Rita Süßmuth als Präsidentin
des Deutschen Bundestages. Der Artikel „Erste SV, erste Aufreger“ in der 3. Ausgabe der
MAIA gab mir Anlass eben das zu tun: Mich selbst und mein Handeln, genauer gesagt meine
Worte in der SV kritisch zu betrachten und zu hinterfragen. Schließlich unterstellte mir der
Autor des Artikels, ich habe die Meinung der Schülerschaft nicht ernst genommen und würde
sie nicht anerkennen.
Es stimmt, ich habe Teilen der Schülerschaft vorgeworfen, die Wahl nicht ernsthaft genug
angegangen zu sein und aus „Jux gegen das angetretene SV-Team gestimmt zu haben“.
Konnte oder wollte ich mir nicht vorstellen, dass ca. 40% der Schülerschaft und ein Großteil
der Oberstufe fundierte Gründe gehabt haben gegen das SV-Team zu stimmen? Nein!
Nach der Wahl habe ich mit vielen Schülern gesprochen und mehrere Schüler haben mir
erzählt, dass sie „einfach so“ mit NEIN gestimmt haben oder dass sie „einfach mal schauen
wollten, was passiert“. Mein Appell in der SV richtete sich an diese Schüler, nicht an die, die
ein ehrliches und bedachtes NEIN angekreuzt hatten, und das habe ich auch deutlich gemacht.
Die „Spaß-Ankreuzer“ hingegen spielen mit der Demokratie und mit den Rechten der
Schüler. Ich finde es wichtig und notwendig, dass es eine SV gibt, dass die Schüler eine
Stimme haben, dass sie die Schule mitgestalten können, denn sie sind die wichtigsten
Personen darin. Für sie ist die Schule da!
Wenn es Neuwahlen gegeben hätte und sich keine Kandidaten dafür gefunden hätten, dann
hätte es ein Jahr lang keinen Schülerrat gegeben. Ein nicht unwahrscheinliches Szenario, da
sich ja auch keine Gegenkandidaten für die Wahl gefunden hatten, was aus demokratischer
und meiner persönlichen Sicht äußerst bedauerlich ist, denn Demokratie lebt von Pluralität.
Mein Appell war und ist: Nutzt eure Rechte, tretet  für euch und andere ein und gestaltet
Schule mit, indem ihr eure Stimme erhebt (so wie es der Autor des Artikels getan hat), indem
ihr wählt oder indem ihr euch in Gremien wählen lasst!
Noch ein Satz in dem Artikel hat mich nachdenklich gemacht: „Auch wenn die Mehrheit der
SV dem Vorschlag des SV-Teams letztendlich zustimmte, bleibt darüber nachzudenken, ob
dies wirklich dem Willen der Mehrheit der SchülerInnen entspricht.“ Das Ernstnehmen der
von den Schülern gewählten Klassensprecher und die  Anerkennung ihrer Meinungen sehen
möglicherweise anders aus – „Demokratie ist auch die Notwendigkeit, sich gelegentlich den
Ansichten anderer Leute zu beugen.“ (Sir W. Churchill)

U. Michel (Vertrauens-, Deutsch- und Geschichtslehrer am WHG)

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