Montag, 5. September 2011

Déjà-vu - Teil 1

Lautes Geschrei. Überall hörte man Leute weinen. Plötzlich hörte ich wie Schritte näher kamen. Schnelle Schritte. Näher, näher, näher und dann wurde die Tür ruckartig aufgerissen. Panisch schlug ich gegen den Schrank  und schrie: "Hilfe! Mach die Tür auf! Hilfe!" Etwas wurde abgerissen. Wieder knallte die Tür. Und die Schritte wurden immer leiser. "Hilfe..." Es wurde warm und stickig im Schrank. Die Überraschung, mit Kerzen auf dem Pult und mit mir im Schrank war wohl misslungen. Mir kamen die Tränen. Sie brannten auf meinem Gesicht. Ich bekam kaum noch Luft. Es knisterte. Dann wurde die Schranktür geöffnet. "Kate!" Ich sprang auf und umarmte sie. Kate war meine beste Freundin. Doch nur ich konnte sie sehen. Früher hatte ich versucht es meiner Freundin zu erzählen, doch Melina lachte nur und meinte, ich wäre total gestört. Danach lachten mich alle aus, weil Melina es überall rumerzählt  hatte.
Ich wachte aus meiner Trance auf, als auch der Schrank in dem ich eben noch gesessen hatte, ebenfalls in Feuer aufging. Kate war bereits weg. So schnell ich konnte, versuchte ich mich am Boden fortzubewegen. Endlich war ich bei der Tür angekommen. Ich öffnete sie, doch im Flur war der Qualm noch viel dichter als im Klassenraum. Ich krabbelte, dicht an den Boden gedrängt, zur Treppe. Mir war klar, dass ich, wenn ich mich nicht beeilte, mit dem Gebäude in Flammen aufging. Es war ein Schock als ich sah wie Giulio am Boden lag. Ich schloss ihn in die Arme und in aller Eile fiel ich halbwegs die Treppe herunter. Dann hielt ich an, denn hier konnte ich nicht mehr weiter. Die Treppe, die zum Ausgang führte, brannte. Ich biss die Zähne zusammen, drehte mich um und rannte los. Direkt auf das Fenster zu. Ich hörte es nur noch klirren. Dann wurde mir schwarz vor Augen.

Mitten in der Nacht wachte ich auf. Aber, mir war nicht kalt. Naja, das lag vielleicht daran, dass ich in eine Bettdecke gehüllt war. Ich schloss einfach wieder die Augen und dachte nicht weiter darüber nach, wo ich war. Am nächsten Morgen wurde ich von einem lautem "Rumms" geweckt. Der "Rumms" allerdings kam von mir. Ich war aus dem Bett gefallen und lag nun auf dem kalten Boden. Ich seufzte. Warum musste ich nur immer so unsanft geweckt werden?
Auf einmal wiederholte sich der Ablauf aus dem Klassenraum. Schnelle Schritte kamen näher. Die Tür wurde aufgerissen. Etwas, wohl ein Stück Papier wurde abgerissen. Die Tür knallte zu und die Schritte wurden leiser. Und so schlau wie ich war, hatte ich mir vor Angst die Decke über den Kopf gezogen und somit, wusste auch nicht was geschehen war und wer es getan hatte. Ich versuchte aufzustehen, doch mein Bein Schmerzte zu sehr. "Easy? Alles okay?", fragte mich eine verschlafene, heisere Stimme. Es war Giulio´s Stimme. Ich drehte mich um und sah ihn besorgt von oben auf mich herab blicken. " Äh...ja...nur irgendwie, komme ich nicht mehr hoch." Als ich ihn genauer betrachtete, sah ich seine vielen Narben und Verbrennungen. "Oh mein Gott! Hast du Schmerzen? Das sieht ja schlimm aus!"   "Erstens, ich bin so weit okay zweitens guck doch mal in den Spiegel, dann weißt du wer hier Schmerzen haben sollte!" Ich dachte nicht weiter über sein Gesagtes nach und versuchte nochmals mich aufzurichten. Er reichte mir seine Hand und nach einiger Anstrengung, lag ich schließlich wieder im Bett.
Nach einer Weile fiel mir dann auch auf, dass ich im Krankenhaus war. "Wie-wie bin ich hierher gekommen?", fragte ich sofort. " Es gibt da so eine tolle Erfindung, die nennt sich Krankenwagen." Er schaute mich mit seinem liebevollen, breiten Grinsen an. "Weißt du eigentlich was passiert ist, also nachdem das Feuer ausgebroch war?", fragte Giulio mich nach einiger Zeit. " Ich hab dir das Leben gerettet, indem ich mit dir durchs Fenster gesprungen bin. Aber mehr weiß ich auch nicht." Er guckte mich mit großen Augen an. Aber bevor er etwas sagen konnte, wechselte ich das Thema, denn ich hasste es im Mittelpunkt zu stehen: "Hast du eben auch jemanden reinkommen hören?"   "Nö, da hab ich wohl noch gepennt."   Dann sprach mich Kate plötzlich von hinten an:" Na du!"  "Kate!" Vor Schreck wäre ich beinahe schon wieder vom Bett gefallen und fast hätte ich auch vergessen, dass Giulio da war.
"Ähm...ich meine, also, Kate, das ist so eine Freundin von mir und ich hab gerade nur Angst bekommen, das ihr etwas passiert ist...", versuchte ich mich zu retten. Giulio glaubte mir. Glücklicher weise, konnte er Kate nicht sehen und hören, denn sie hielt mir erstmal einem Vortrag, wir gefährlich es doch war, auch noch Giulio zu retten und so weiter. Aber ich ignorierte sie einfach. Nach ein paar Tagen Krankenhausaufenthalt, wurde ich, inklusive Krücken, endlich entlassen.

Kristin Angerstein (7. Klasse)

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